„Ready for Boarding“

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Bereits Ende September besuchte die Amnesty- International Hochschulgruppe Erlangen die Premiere des Stückes „Ready for Boarding“ des Brachland- Ensembles in Nürnberg.
Lest hier unseren Bericht dazu:

Nürnberg, 28.9.2016

Es war eine unangenehme Situation den Saal im Künstlerhaus des KunstKulturQuartiers zu betreten.
Drei Personen in Anzug sitzen in einer Reihe auf der Bühne. Die Frau in der Mitte liest Namen von Personen vor und die Dauer derer Inhaftierung. In den meisten Fällen jedoch wird die Anzahl der Wochen, Monate oder Jahre der Inhaftierung durch das Geräusch von zerknülltem Papier übertönt, das die beiden Herren zu den Seiten erzeugen. Die Daten sind geschwärzt.

Ist man zu spät? Ein Blick auf die Uhr – eigentlich nicht. Dennoch fühlt man sich schuldig.
Das ist nur einer der Kniffe, mit denen es das Brachland- Ensemble schafft, den Zuschauer beim Stück „Ready for Boarding“ in eine ungewohnte und somit unangenehme Situation zu versetzen.

Das Stück ist ein Live-Hörspiel. Gelesen wird aus dem CIA-Folterbericht von 2014, der teilweise geschwärzt veröffentlicht wurde. Auf Initiative von Amnesty International und in Kooperation mit dem Brachland- Ensemble entschied man sich, diesen Report auf die Bühne zu bringen. Sehr bewusst in Form eines Hörspiels, da die Fantasie und die Gedanken der Zuschauer einen viel prägenderen Eindruck hinterlassen, als einer klassischen Aufführung.

Der Bericht als Ganzes wird nicht vorgestellt. Zu Umfangreich ist das Internierungsprogramm mit seinen „verschärften Verhörmaßnahmen“. So beschränkt sich das Stück auf das Schicksal von Abu Subaida, dem vorgeworfen wurde an den Terroranschlägen des 11. September beteiligt gewesen zu sein und darüber hinaus Hinweise zu weiteren Anschlägen zu haben. Da Ergebnisse seitens der Behörden gefordert wurden, zeigt sein Beispiel wie CIA und FBI quasi am lebenden Objekt experimentieren und trotz widerlegter Effektivität zu Methoden greifen, die als Folter bezeichnet werden können.
So ist schon der Titel des Stücks ein Hinweis auf die berüchtigte Foltermethode des sogenannten „Waterboarding“.

So wenig wie möglich ist gerade so viel wie nötig. Damit lässt sich das Geschehen auf der Bühne am besten beschreiben. Personen bekommen mit kleinen Requisiten und veränderter Stimme gerade genug Charakterzüge, dass man sie sich vor dem inneren Auge vorstellen kann, obwohl sie lediglich Namen im Protokoll sind.
Das Abspielen von lauter Rock- Musik und Kinderliedern, welche so tatsächlich verwendet wurden, und das kurzzeitige Blenden des Publikums mit LED- Lichtern lassen erahnen, unter welchen Umständen die Gefangenen Monate oder gar Jahre verbracht haben.

Trotz allem soll „Ready for Boarding“ Unterhaltung bieten, wenngleich Spaß hier nicht im Vordergrund steht. In diesem Sinne war auch das Nachgespräch mit den Künstlern und dem Regisseur sehr interessant. Der Sinn hinter dem Stück sei nicht etwa einen Anti-Amerikanismus zu verbreiten, sondern menschenrechtliche Grundsätze wie etwa die Sinnlosigkeit von Folter aufzuzeigen. Dies muss auch dann gelten, wenn die Angst vor Terroranschlägen nach Ergebnissen verlangt

In dieser Hinsicht lässt sich das, was „Ready for Boarding“ dem Zuschauer vor Augen führt, auch auf andere Beispiele übertragen. „Der Zweck heiligt die Mittel“ darf kein Leitprinzip werden und so sieht auch der Regisseur Dominik Breuer die gesellschaftliche Situation eher optimistisch, denn alleine mit dem Besuch von „Ready for Boarding“ schärft man sein Bewusstsein wohin unreflektierter Druck nach Ergebnissen führen kann.

Die nächsten Aufführungen finden statt am:

  • 6.12.16
  • 7.12.16
  • 8.12.16

Im Festsaal des Künstlerhaus, Königstraße 93, 90402 Nürnberg

Weitere Informationen:

http://brachland-ensemble.de/