Film East West Rugby

Filmabend EAST WEST Sex & Politics

Auch im Sommersemester 2011 veranstaltet die Amnesty International Hochschulgruppe einen Filmabend. Passend zu dem Semesterthema „LGTBI-Rechte“ zeigen wir den Film East/West, der den täglichen Kampf Homosexueller in Russland dokumentiert.

Film East West Rugby
Film East West Rugby

Wer mit offenen Augen durch Moskau geht, kann die Veränderungen der letzten eineinhalb Dekaden seit dem Ende der Sowjetunion auf den ersten Blick sehen, zumindest bei oberflächlicher Betrachtung. Prada-Boutiquen statt Lenin-Statuen, westliche Edelkarossen aller Marken statt den früher allgegenwärtigen Ladas und auffallend viele sehr schick und teuer gekleidete Menschen. Ohne Zweifel hat Russland in den letzten Jahren zumindest in Sachen Kapitalismus gewaltig aufgeholt. Wie aber sieht es mit der Demokratie und der Einhaltung der Menschenrechte in Russland aus? Hat sich mit der Liberalisierung der Wirtschaft auch eine Freiheit des Geistes eingestellt? Im Jahr 1993 wurde unter dem damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin der Paragraph 121 aufgehoben, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte. Immerhin ein Jahr vor Deutschland, wo der Paragraph 175 erst 1994 aus dem Strafgesetzbuch flog. Doch die Hoffnung, die Schwule und Lesben mit diesem Ereignis verbanden, stellten sich bald als trügerisch heraus. Der Weg aus dem Sozialismus hat Russland zwar Fortschritte in der wirtschaftlichen Entwicklung gebracht, doch die Verwirklichung von Lebensmodellen außerhalb der Traditionen ist selbst im urbanen Moskau nur mit Schwierigkeiten möglich.

In seiner Dokumentation beschreibt Jochen Hick den nach wie vor unhaltbaren Zustand der Gesellschaft in Russland, innerhalb derer Homo- Bi- und Transsexuelle unterdrückt, angefeindet und tätlich angegriffen werden. Er beobachtet die Gay-Paraden 2006 und 2007 in Moskau, die von Bürgermeister Juri Luschkow verboten und von reaktionären Bevölkerungsgruppen attackiert werden, unterstützt oder zumindest toleriert von Sicherheitskräften. Hick spricht mit Initiatoren der Demo, wie etwa mit Evgeniya Debryanskaya und Nikolai Alexejew, die 2006 den ersten Gay Pride in Moskau organisiert hatten, mit Besuchern aus dem Ausland, wie etwa dem Menschenrechtler Peter Tatchell, dem grünen und schwulen MdB Volker Beck, der erst von Schlägern verletzt und dann von der Polizei festgenommen wurde, und mit anderen Teilnehmern, von denen einige ihre Verdienste im Aufbau der Gay-Community Russlands haben.

Weil aber die Mehrzahl der Moskauer Schwulen und Lesben dem Kampf um die von Alexejev und seiner Gruppe initiierte Gay Parade fern bleibt und den Kampftag einigen wenigen schwul-lesbischen Moskauern und vielen Westlern überlässt, macht sich Hick auf die Suche nach denen, die die demokratischen Liberalisierungstendenzen lieber vom Sommerstrand an der Moskwa aus verfolgen. Er findet schwule Überlebensstrategien und ein kleines Universum an verschiedenen Lebensstilen, die verständlich machen, wieso die Durchsetzung demokratischer Interessen auch oder gerade im heutigen Moskau so wenig lohnenswert und gesellschaftlich erstrebenswert erscheint.

Der Filmabend findet am 17.Mai um 19.30 Uhr im Kollegienhaus (Raum 1.022) statt. Der Eintritt ist wie immer frei!