THEMENABEND IRAN

„Hallo, ich heiße Mohsen Farzin. Ich wurde 1982 in Teheran geboren. Im Iran hatten wir ein sehr gewöhnliches Leben (…) bis im Jahr 2002 ein familiärer Schicksalsschlag mich und meine Familie zwang unsere Heimat zu verlassen. Unsere Ausreise musste schnell und unkompliziert verlaufen, dafür kam nur die Türkei in Frage. Also gingen wir im November 2002 in die Türkei. Wir blieben dort nur dreieinhalb Monate, denn die Lebensumstände waren verheerend…“

Mit diesen Worten begann Mohsen Farzin seine Erzählung über seine Flucht aus dem Iran. Am 27. Januar hatten wir unterstützt von den Grünen und der ÖDP zu einem Themenabend über die Situation der Menschenrechte in der Islamischen Republik Iran geladen. Als Moderator leitete Dr. Thomas Demmelhuber vom Institut für Politische Wissenschaften zunächst den Vortrag mit Gedanken zu der aktuellen Protestwelle in der ganzen Region ein. Hierbei hob er besonders hervor, dass allen Forderungen gemeinsam ist, gegen die Unterdrückung von Partizipationsrechten zu demonstrieren. Im Anschluss veranschaulichte Dr. Behrooz Bayat, der als Berater der Internationale Atomenergie-Organisation tätig ist, die Menschenrechtssituation im Iran anhand der zahlreichen Verletzungen gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Schon der erste Artikel der AEdM wird durch die zahlreichen drakonischen Strafen wie Steinigungen, Exekutionen, Folter und öffentliche Diskreditierung gravierend verletzt und gerade Oppositionellen jegliche Menschenwürde genommen. Doch auch die starke Kontrolle von gesellschaftlichen und sozialen Zusammenkünften zeigt wie allumfassend eine Unterdrückung stattfindet. Eine private Feier kann gegen die auferlegten Regeln der „Sittlichkeit“ verstoßen. Musik und Literatur unterliegen starker Zensur. Polizeigewalt gegen angeblich randalierende Jugendliche gerät außer Kontrolle. Doch die Struktur im Iran ist konsequent auf Herrschaftssicherung ausgelegt und das Regime argumentiert kulturrelativistisch oder regiert einfach mit Leugnung auf Forderungen nach einer Einhaltung der Menschenrechte.

Mit seinem persönlichen Bericht ließ Mohsen Farzin uns an seinem Weg bis nach Erlangen teilhaben und richtete den Blick auch auf die gravierende Flüchtlingssituation in Europa. Anknüpfend an diese Beschreibungen eröffnete Professor Dr. Heiner Bielefeldt vom Lehrstuhl für Menschenrechte seinen Beitrag mit der Erinnerung, dass der Gerichtshof für Menschenrechte Griechenland und Belgien aufgrund ihrer Asylpolitik verurteilte und dass ein kritischer Blick auf Europa angebracht ist. Im Iran werden viele Widersprüche deutlich. So stellte Professor Bielelfeldt die katastrophale Menschenrechtssituation einer Gesellschaft der „Dichter und Denker“ gegenüber, die ihren Hunger nach Literatur gegen Widerstände behaupten muss. Denn schon die Bürokratie im Umgang mit Verlagen und die tägliche Zensur schränkt die Meinungsfreiheit stark ein. Doch der alltägliche Protest wird gerade auch in den Frauen sichtbar, die schon durch den scheinbar harmlosen Akt ein Mopet zu fahren rebellieren und bei den Protesten zahlreich ihren Forderung Gehör verschafften. Der Beitrag endet mit der Warnung, dass die Menschenrechtssituation sich in der letzten Zeit gravierend verschlechtert hat. Die sehr angeregte und auch kritische Diskussion im Anschluss gab Gelegenheit weitere Fragen wie die Rolle des Islam für die Demokratisierung, die Haltung des Westens und die Bedeutung der neuen Medien zu erörtern. Die Tatsache, dass der Saal mit ungefähr 150 Menschen gefüllt war, zeigte welch großes Interesse auch hier in Erlangen an dem Land und den Menschen im Iran besteht und lässt hoffen, dass immerhin unsere Solidarität und die Bereitschaft sich zu informieren einen kleinen Beitrag leisten kann.

Vielen Dank an alle Unterstützer und die zahlreichen Gäste!