Wussten Sie schon, dass Männer nicht vergewaltigt werden können?

Tore für die Menschenrechte

Hallo, darf ich Ihnen ein Zitronenbonbon anbieten?

Wussten Sie schon, dass Zitrone und Knoblauch gegen AIDS helfen?

Die Selbstverständlichkeit, mit der die Hochschulgruppe Erlangen bei ihrer Aktion „Tore für die Menschenrechte“ auf dem Hugenottenplatz angesichts solcher Aussagen in entsetze Gesichter blickten, ist in vielen Ländern jedoch noch lange nicht Realität. Am Vormittag des Halbfinales der WM sollten die Erlanger auf spielerische Weise mit Problemen im Gastland Südafrika konfrontiert werden.
Die Empfehlung, sich nicht einer Retroviraltherapie zu unterziehen, sondern Rote Bete, Zitrone oder Knoblauch zu verwenden stammt von der ehemaligen Gesundheitsministerin Südafrikas. Diese und andere „Gesundheitstipps“ sowie in der Bevölkerung verankerter Aberglaube verhindern eine wirksame Bekämpfung der Krankheit. Nach Schätzungen von UNAIDS waren 2009 in Südafrika 5,7 Mio. Menschen HIV-positiv. 55% der HIVInfizierten in Südafrika sind Frauen und aufgrund der schlechten medizinischen Versorgung überträgt wiederum rund ein Drittel von ihnen das Virus auf das Kind.

Wussten Sie schon, dass Männer nicht vergewaltigt werden können?

Der Richter Justice Nkabinde erließ 2007 in Südafrika ein Urteil demzufolge Männer gar nicht vergewaltigt werden könnten. Erzwungener Analverkehr wird somit als Notzucht betrachtet und nur in seltenen Fällen überhaupt mit milden Strafen geahndet. Nach offiziellen Daten werden jährlich 55.000 Menschen vergewaltigt – eine große Dunkelziffer erhöht diese Zahl noch und Männer werden kaum erfasst. Jeder fünfte Vergewaltiger ist HIV-positiv (Medical Research Council) und verbindet damit zwei gravierende Probleme in Südafrika.

Während einige Kinder begeistert auf die bereitgestellte Torwand schossen oder sich mit Luftballons und Zitronenbonbons versorgten, kamen viele Eltern an den Stand um mehr über Menschenrechtsprobleme in Südafrika zu erfahren, die Petition zu unterzeichnen oder mit den Mitgliedern der Hochschulgruppe zu diskutieren.
Das Wissen der meisten Menschen über das WM Gastgeberland beschränkt sich oft auf die WM und atemberaubende Naturlandschaften. Wenn überhaupt etwas zu Menschenrechtssituation im Land bekannt ist, sind es die Sondergerichte, die während dem Sport-Großereignisses vor allem afrikanische Straftäter in zweifelhaften Prozessen zu drakonischen Strafen verurteilten. Dementsprechend groß war das Interesse der Passanten zu anderen Menschenrechtsproblemen des Landes, wie die exzessive Gewalt gegen Frauen, ausländerfeindliche Übergriffe, Vergewaltigungen oder Zwangsräumungen. Gerade jetzt sollten wir Südafrika nicht aus dem Blick verlieren, sondern die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nutzen, um Menschenrechtsprobleme zu thematisieren und Veränderungen zu erwirken.

Vielen Dank an die vielen Torschützen und die Unterzeichner der Petition!